fRsi-Berechnung an Wärmebrücken

Der Temperaturfaktor wird aus der niedrigsten inneren Oberflächentemperatur sowie der Innen- und Außentemperatur gebildet. Für den Mindestwärmeschutz gilt unter den Normrandbedingungen fRsi ≥ 0,70. Raumklima, Nutzung, Feuchtequellen und Ausführung sind nicht Bestandteil dieses Kennwerts.

Berechnung und Grenzwert

fRsi setzt die kälteste innere Oberflächentemperatur θsi,min eines Details ins Verhältnis zur Temperaturdifferenz zwischen innen und außen:

fRsi = (θsi,min − θe) / (θi − θe)

Der Wert ist dimensionslos. fRsi = 1 entspricht der Raumlufttemperatur, fRsi = 0 der Außentemperatur. DIN 4108-2 fordert für den Mindestwärmeschutz fRsi ≥ 0,70 – bei den Norm-Randbedingungen (+20 °C innen, −5 °C außen, 50 % Raumluftfeuchte) entspricht das einer Oberflächentemperatur von12,6 °C. Bei geringeren Oberflächentemperaturen kann die oberflächennahe relative Luftfeuchte den für Schimmelwachstum relevanten Bereich erreichen.

Berechnet wird θsi,min aus dem 2D-Temperaturfeld des Details nach DIN EN ISO 10211 – mit dem erhöhten inneren Übergangswiderstand Rsi = 0,25 m²K/W. Ψ und fRsi können am selben Geometriemodell mit den jeweils erforderlichen Randbedingungen getrennt ausgewertet werden.

fRsi mit gewähltem Raumklima einordnen

Geben Sie einen bekannten oder angenommenen fRsi-Wert manuell ein. Das Panel leitet daraus die Oberflächentemperatur ab und ordnet sie zum gewählten Raumklima ein. Der Konstruktionswert bleibt dabei bewusst von der Nutzung getrennt.

Raumklima-Einordnung

fRsi live einordnen

manuelle Eingabe

Der Konstruktionswert bleibt getrennt vom gewählten Raumklima. Die Anzeige ordnet Oberflächentemperatur, Taupunkt und oberflächennahe Luftfeuchte ein.

θsi aus fRsi
Taupunkt der Raumluft
relative Feuchte an Oberfläche
Taupunktabstand

Orientierung aus stationärem Temperaturfeld und gewähltem Raumklima; kein Nachweis für Tauwasser, Schimmel oder Feuchtetransport.

Für Temperaturfeld und Varianten eines konkreten Lehrmodells steht der vollständige Wärmebrückenatlas zur Verfügung. Für ein Bauvorhaben ersetzt weder die manuelle Einordnung noch der Atlas die Prüfung des tatsächlichen Anschlusses.

Hinweis zum Normenstand: Der öffentlich-rechtliche Mindestwärmeschutz ist im GEG über die DIN 4108-2:2013-02 verankert; fachlich ist daneben die aktuelle Ausgabe DIN 4108-2:2026-05 zu beachten. Die Anforderung fRsi ≥ 0,70 an Wärmebrücken und die Berechnung der Oberflächentemperaturen nach DIN EN ISO 10211 bleiben dabei der Maßstab.

Typische Prüffälle

  • Balkonplatten ohne thermische Trennung mit durchlaufendem Stahlbeton.
  • Fensterlaibungen und Rollladenkästen, besonders nach Fenstertausch im ungedämmten Bestand: An den Anschlüssen können niedrige Oberflächentemperaturen verbleiben.
  • Geometrische Wärmebrücken: Außenwandecken, Erker und Attiken.
  • Sockel- und Kellerdeckenanschlüsse mit durchlaufendem Mauerwerk.
  • Innendämmung: Die Wand hinter der Dämmung wird kälter; einbindende Decken und Innenwände sollten deshalb projektspezifisch geprüft werden.
Im Wärmebrückenatlas kann die Wirkung einer thermischen Trennung am vereinfachten Balkonmodell verglichen werden.

Innendämmung, Denkmal und Bestand

Bestandsanschlüsse entsprechen häufig nicht den Referenzdetails. Maßgebend sind erkundete oder dokumentierte Aufbauten, einbindende Bauteile und der geplante Sanierungszustand. Unbekannte Schichten und Geometrien werden als offene Punkte ausgewiesen.

Verfahrenswahl

Thermische und hygrothermische Nachweise

VerfahrenModellAussageAussagegrenze
WärmebrückenberechnungDIN EN ISO 10211, stationär, 2D/3DΨ, θsi,min und fRsi eines AnschlussesFeuchtetransport, Baufeuchte und Trocknung
Glaser-VerfahrenDIN 4108-3, stationäres Blockklima, 1DTauwasserausfall und Verdunstung im RegelquerschnittWärmebrückengeometrie, Kapillarleitung, Schlagregen und Baufeuchte
Hygrothermische SimulationDIN EN 15026 / WTA 6-2, instationärGekoppelter Wärme- und Feuchtetransport mit KlimadatenKeine allgemeine Aussage ohne passende Material-, Anfangs- und Nutzungsdaten

fRsi-Auswertung einzelner Anschlüsse

Einzelne Anschlüsse können unabhängig von einem vollständigen Gebäudenachweis untersucht werden. Umfang, Randbedingungen und Varianten werden nach Sichtung der Detailunterlagen festgelegt. Schnitt, Bauteilaufbauten und Planstand werden in derProjektanfrage benannt; Dateien folgen nach Rückmeldung per E-Mail.

Fragen zur fRsi-Berechnung

Welcher fRsi-Wert ist vorgeschrieben?

DIN 4108-2 fordert für Wärmebrücken fRsi ≥ 0,70. Bei +20 °C innen und −5 °C außen entspricht dies einer inneren Oberflächentemperatur von mindestens 12,6 °C. Bei niedrigeren Temperaturen kann die oberflächennahe relative Luftfeuchte einen für Schimmelwachstum kritischen Bereich erreichen.

Kann trotz fRsi ≥ 0,70 Schimmel entstehen?

Ja. Hohe Raumluftfeuchte, niedrige Raumtemperaturen, Möbel vor Außenwänden und Ausführungsmängel können ungünstigere Bedingungen erzeugen als der Normansatz. Der fRsi-Nachweis bewertet das Bauteil unter festgelegten Randbedingungen, nicht die spätere Nutzung.

Brauche ich den fRsi-Nachweis zusätzlich zum Ψ-Wert?

Ψ und fRsi beantworten unterschiedliche Fragen und können auf demselben Geometriemodell mit den jeweils anzuwendenden Randbedingungen ausgewertet werden. Der Ψ-Wert dient der Energiebilanz; fRsi prüft das Oberflächentemperatur-Kriterium des Mindestwärmeschutzes. Feuchtetransport oder Tauwasser im Bauteil werden damit nicht bewertet.

Was passiert, wenn ein Detail den Nachweis nicht besteht?

Das Detail ist zu überarbeiten und erneut zu berechnen. In Betracht kommen thermische Trennung, Laibungs- oder Flankendämmung sowie eine geänderte Material- oder Anschlussgeometrie.

Gilt die Anforderung auch im Bestand bzw. bei Sanierung?

Bei wesentlichen Eingriffen in Bestandskonstruktionen, insbesondere bei Innendämmung, sollten kritische Anschlüsse rechnerisch geprüft werden. Bewertungsmaßstab und Nachweispflicht hängen von Eingriffstiefe, Vertrag und anerkannter Regel der Technik ab. Die Berechnung ersetzt keine Bewertung von Nutzung, Feuchtequellen und Ausführung.