Wärmebrückenzuschlag ΔUWB
Der Wärmebrückenzuschlag ΔUWB wird auf die gesamte wärmeübertragende Hüllfläche angewendet. Je nach Nachweisweg wird ein pauschaler oder projektspezifisch ermittelter Ansatz verwendet.
Ansatz in der Energiebilanz
ΔUWB wird auf die U-Werte der wärmeübertragenden Hüllfläche aufgeschlagen. Bei einem Neubau mit mittleren U-Werten um 0,20 W/(m²K) bedeutet der Pauschalansatz von 0,10 W/(m²K): Die Transmissionsverluste werden rechnerisch um die Hälfte erhöht. Ein niedrigerer Ansatz erfordert den zugehörigen Nachweisweg.
Nachweiswege
| Stufe | Voraussetzung | ΔUWB in W/(m²K) |
|---|---|---|
| Pauschal ohne Nachweis | allgemeiner Ansatz ohne gesonderten Nachweis | 0,10 |
| Pauschal, besonderer Innendämmungsfall | innenliegende Dämmschicht mit einbindender Massivdecke, ohne gesonderten Nachweis | 0,15 |
| Gleichwertigkeit Kategorie A | alle Anschlüsse gleichwertig zu den Musterlösungen der DIN 4108 Beiblatt 2 | 0,05 |
| Gleichwertigkeit Kategorie B | alle Anschlüsse gleichwertig zu den energetisch verbesserten Details (Kategorie B) | 0,03 |
| Detaillierter Nachweis | projektspezifische Ψ-Wert-Berechnung aller relevanten Details samt Längen | projektspezifisch |
Detaillierte Ermittlung
Für den detaillierten Nachweis werden die relevanten Anschlüsse 2D berechnet, im Positionsplan verortet und am Gebäude aufgemessen. Die Summe der längenbezogenen Verlustanteile wird auf die Hüllfläche A bezogen:
ΔUWB = Σ (Fx,j · Ψj · lj) / A
Fx,j gewichtet Details an Erdreich, unbeheizten Kellern oder Dachräumen, soweit die Korrektur nicht bereits im Ψ-Wert enthalten ist. An Außenluft gilt Fx = 1. Die Faktoren müssen mit der DIN-V-18599-Bilanz übereinstimmen.
Beim Außenmaßbezug können gut gedämmte Außenecken negative Ψ-Werte in die Summe einbringen. Der resultierende Zuschlag hängt jedoch von sämtlichen Details, Längen, Systemgrenzen und Korrekturfaktoren ab; ein bestimmter Zielwert lässt sich vor der Berechnung nicht zusagen.
Beispielrechnung
Einfamilienhaus, Hüllfläche 450 m², mittlerer U-Wert 0,20 W/(m²K) – die ungestörten Bauteile verlieren spezifisch 90 W/K:
- Pauschal 0,10: +45 W/K; der Zuschlag erhöht den Transmissionswärmeverlust gegenüber den ungestörten Bauteilen um 50 %.
- Kategorie B 0,03: +13,5 W/K.
- Detailliert ≈ 0,02: +9 W/K – im Rechenbeispiel 36 W/K Differenz zur Pauschale. Der Vergleich mit zusätzlicher Dämmung oder Anlagentechnik erfordert deren konkrete Bilanzwirkung und Kosten.
Auswahl nach Ausgangslage
| Ausgangslage | Zu prüfen |
|---|---|
| Neubau mit zuordenbaren Referenzdetails | Anwendbarkeit des Gleichwertigkeitsnachweises |
| Ambitioniertes oder knapp verfehltes Effizienzhaus-Ziel | Detaillierter Nachweis im Vergleich zu baulichen oder anlagentechnischen Maßnahmen |
| Sanierung mit kritischen Bestandsdetails | Detaillierte Berechnung und fRsi-Prüfung |
| Einzelne nicht zuordenbare Anschlüsse | Zulässige Kombination aus Referenzwerten und projektspezifischer Berechnung |
Innendämmung: Bei Außenbauteilen mit innenliegender Dämmschicht und einbindenden Massivbauteilen (z. B. Decken) können pauschale Ansätze ungünstiger ausfallen als 0,10 W/(m²K). Ohne gesonderten Nachweis beträgt der Zuschlag in diesem Fall 0,15 W/(m²K). Energiebilanz und Oberflächentemperatur sind getrennt auszuwerten.
Die wirtschaftliche Bewertung hängt von ΔUWB, Ausgangsbilanz, Alternativmaßnahmen und Kosten ab. Aus der Wärmebrückenberechnung allein folgt weder ein Förderanspruch noch eine bestimmte Amortisation.
Fragen zum Wärmebrückenzuschlag
Welcher ΔUWB-Wert darf wann angesetzt werden?
Ohne Nachweis gilt allgemein 0,10 W/(m²K); bei Außenbauteilen mit innenliegender Dämmschicht und einbindender Massivdecke kann ohne Nachweis 0,15 W/(m²K) anzusetzen sein. Wenn alle Anschlüsse die Gleichwertigkeit nach DIN 4108 Beiblatt 2 erfüllen: 0,05 W/(m²K) (Kategorie A) bzw. 0,03 W/(m²K) (Kategorie B). Mit detaillierter Berechnung gilt der projektspezifisch ermittelte Wert.
Wann ist ein detaillierter Nachweis sinnvoll?
Das ist anhand von Ausgangsbilanz, Anschlussdetails und möglichen Alternativmaßnahmen zu prüfen. Bei einfachen Gebäuden kann ein Gleichwertigkeitsnachweis ausreichen. Ψ und fRsi lassen sich am selben Geometriemodell mit unterschiedlichen Randbedingungen auswerten; fRsi beschreibt jedoch nur das Oberflächentemperatur-Kriterium.
Kann ein Pauschalansatz nachträglich ersetzt werden?
Ein nachträglich erstellter Wärmebrückennachweis kann grundsätzlich in eine bestehende Bilanz übernommen werden. Auswirkungen auf das Ergebnis oder die Effizienzhaus-Stufe sind anhand der vollständigen Bilanz und der geltenden Programmbedingungen zu prüfen.
Bilanzstand, Hüllfläche, Nachweisziel und vorhandene Pläne bilden die Grundlage für ein Angebot. Die Angaben lassen sich in der Projektanfragezusammenstellen.