Rechenverfahren und Modellgrenzen

Die Browsermodelle lösen stationäre 2D-Wärmeleitung auf vereinfachten Geometrien und mit einheitlichen Randbedingungen. Verwendungszweck sind Veranschaulichung und technische Regressionsprüfung. Eine normative Validierung liegt nicht vor; die Kennwerte sind nicht für einen Nachweis verwendbar.

Kennwerte im Wärmebrückenatlas

  • Temperaturfeld: stationäre Temperaturverteilung im idealisierten 2D-Schnitt.
  • θsi,min und fRsi: minimale innere Oberflächentemperatur und daraus abgeleiteter Temperaturfaktor.
  • Ψ: längenbezogener Korrekturwert gegenüber den ungestörten Bauteilen.
  • ΔUWB: beispielhafte Summierung ausgewählter Anschlüsse und Längen.

Numerisches Verfahren

Der 2D-Schnitt wird in ein Raster zerlegt; jeder Zelle ist die Wärmeleitfähigkeit des jeweiligen Baustoffs zugeordnet. Das stationäre Temperaturfeld wird iterativ mit einem Finite-Differenzen-Verfahren gelöst. Nachweisprogramme können andere numerische Verfahren verwenden.

  • Verfahren: Finite Differenzen, Gauß-Seidel-Relaxation mit Überrelaxation (SOR) zur Beschleunigung; Konvergenz, wenn sich keine Zelle pro Durchlauf um mehr als 2,5·10⁻⁴ K ändert.
  • Leitwerte: harmonische Mittelung der Wärmeleitfähigkeiten an den Zellgrenzen; Wärmeübergang über Rsi/Rse als Robin-Randbedingung.
  • Stoffwerte: nach der λ-Konvention der DIN 4108 Beiblatt 2, Tabelle 3 (Dämmung 0,035; Stahlbeton 2,3; Mauerwerk je nach Klasse usw.).
  • Randbedingungen: innen +20 °C, außen −5 °C; Rse = 0,04 m²K/W.

Aus dem Feld werden der zweidimensionale Leitwert L2D, derΨ-Wert (Ψ = L2D − Σ U·l) und die kälteste innere Oberflächentemperatur für denfRsi-Wert ermittelt.

Modellgrenzen

Gegenüber einem projektbezogenen Nachweis gelten folgende Einschränkungen:

  • Übergangswiderstand innen: Die Browsermodelle rechnen durchgängig mit Rsi = 0,25 m²K/W, der Randbedingung für die Schimmelbewertung. Ein prüffähiger Ψ-Nachweis unterscheidet dagegen 0,13 (Wand), 0,17 (Boden) und 0,10 m²K/W (Decke) nach Wärmestromrichtung. Die ausgegebenen Ψ-Werte weichen deshalb vom normgerechten Nachweisansatz ab.
  • Idealisierte Geometrie: homogene Schichten ohne Mörtelfugen, Befestiger oder Ausführungstoleranzen. Punktförmige Wärmebrücken sind nicht enthalten.
  • Begrenzter Ausschnitt, besonders beim Erdreich: Erdberührte Details werden im Nachweis mit Temperaturkorrekturfaktor Fx gewichtet und mit tieferem Erdreichmodell gerechnet. Die Sockel-Simulation gibt deshalb keinen Ψ-Wert aus, sondern nur fRsi.
  • Stationär und rein thermisch: kein Feuchtetransport, keine 3D-Effekte, kein Zeitverlauf. Für Feuchte- und Trocknungsfragen sind andere Verfahren zuständig.

Berechnet werden die Auswirkungen von Geometrie-, Material- und Maßbezugsänderungen. Die Kennwerte dürfen nicht in eine Förder- oder GEG-Bilanz übernommen werden.

Reproduzierbare Referenzläufe

Die Werte sind Regressionsanker für Engine und Geometrien. Ohne Vergleichsrechnung mit identischer Geometrie, Systemgrenze und Randbedingung belegen sie weder externe Genauigkeit noch normative Validierung.

Detail (Sim-Schalter)Sim-Ψ in W/(mK)Modellaussage
Balkonplatte: ungetrennt → thermisch getrennt0,70 → 0,15deutliche Reduktion im idealisierten Variantenvergleich
Attika: ungedämmt → Dämmhaube0,35 → 0,02optimistischer Idealwert durch vollständig umlaufende Dämmung
Fensterlaibung: ohne → mit Überdämmung0,11 → −0,04Vorzeichen hängt auch von Geometrie und Maßbezug ab
Außenwandecke (WDVS, Außenmaß)−0,06negative Korrektur durch Außenmaßbezug möglich
Innenwand an durchlaufendem WDVS≈ 0,00Bagatellfall dieses konkreten Lehrmodells

Die Werte sind reproduzierbar. In der Browser-Konsole liefernwindow.__cockpit.select('<id>') und window.__cockpit.solve()die gezeigten Zahlen synchron bis zur Konvergenz.

Attika-Modell

Für die Variante „Dämmhaube“ ergibt das Modell Ψ ≈ 0,02. Ursache ist die idealisierte, vollständig umlaufende Dämmung. Der Wert ist nicht auf eine reale Attika übertragbar; dort ist die tatsächliche Geometrie zu berechnen.

Der Wärmebrückenatlas enthält mindestens 15 interaktive, berechenbare Detailmodelle. An der Außenwandecke lässt sich der Einfluss des Maßbezugs auf das Vorzeichen von Ψ prüfen.

Projektbezogene Nachweise rechnen mit der tatsächlichen Geometrie, den dokumentierten Baustoffen und den anzuwendenden Randbedingungen. Planstand und Anschlussdetail werden in der Projektanfrage beschrieben; Dateien folgen nach Rückmeldung per E-Mail.