Methodik & Validierung: Was die Browser-Simulationen können – und was nicht

Die interaktiven Simulationen auf dieser Seite sind kein Marketing-Gimmick mit hübschen Farben, aber auch kein prüffähiger Nachweis. Sie sind Lehrmodelle mit der echten Rechenphysik: dieselbe stationäre Wärmeleitung wie im Nachweis, nur mit vereinfachter Geometrie und vereinheitlichten Randbedingungen. Diese Seite legt offen, wie sie rechnen, wo ihre Grenzen liegen – und dass ihre Ergebnisse gegen Literatur und ein reales Berechnungsprotokoll standhalten.

Wie gerechnet wird

Jedes Detail wird als 2D-Schnitt auf ein feines Gitter gelegt; jede Zelle bekommt die Wärmeleitfähigkeit ihres Baustoffs. Das stationäre Temperaturfeld wird dann iterativ gelöst – numerisch dasselbe Prinzip, das auch validierte FE-Programme nach DIN EN ISO 10211 anwenden:

  • Verfahren: Finite Differenzen, Gauß-Seidel-Relaxation mit Überrelaxation (SOR) zur Beschleunigung; Konvergenz, wenn sich keine Zelle pro Durchlauf um mehr als 2,5·10⁻⁴ K ändert.
  • Leitwerte: harmonische Mittelung der Wärmeleitfähigkeiten an den Zellgrenzen, Wärmeübergang über Rsi/Rse als Robin-Randbedingung – also physikalisch konsistent, nicht „gemalt“.
  • Stoffwerte: nach der λ-Konvention der DIN 4108 Beiblatt 2, Tabelle 3 (Dämmung 0,035; Stahlbeton 2,3; Mauerwerk je nach Klasse usw.).
  • Randbedingungen: innen +20 °C, außen −5 °C; Rse = 0,04 m²K/W.

Aus dem Feld folgt direkt der zweidimensionale Leitwert L2D, daraus der Ψ-Wert (Ψ = L2D − Σ U·l) und die kälteste innere Oberflächentemperatur für den fRsi-Wert.

Wo die Vereinfachungen liegen (und warum es Lehrmodelle bleiben)

Genau hier liegt der ehrliche Unterschied zum Nachweis. Wir benennen die Grenzen lieber selbst, als sie zu verschweigen:

  • Übergangswiderstand innen: Die Sims rechnen durchgängig mit Rsi = 0,25 m²K/W – der Randbedingung für die Schimmelbewertung. Ein prüffähiger Ψ-Nachweis differenziert dagegen 0,13 (Wand) / 0,17 (Boden) / 0,10 m²K/W (Decke) je nach Wärmestromrichtung. Die Sim-Ψ-Werte sind dadurch didaktisch stimmig, aber nicht exakt die Norm-Ψ-Werte.
  • Idealisierte Geometrie: saubere Schichten ohne Mörtelfugen, Befestiger oder Ausführungstoleranzen. Punktförmige Wärmebrücken (Dübel, Anker) bleiben – wie in Beiblatt 2 vorgesehen – außen vor.
  • Begrenzter Ausschnitt, besonders beim Erdreich: Erdberührte Details werden im Nachweis mit Temperaturkorrekturfaktor Fx gewichtet und mit tieferem Erdreichmodell gerechnet. Deshalb zeigt die Sockel-Simulation bewusst keinen Ψ-Wert, sondern nur den aussagekräftigen fRsi.
  • Stationär und rein thermisch: kein Feuchtetransport, keine 3D-Effekte, kein Zeitverlauf. Für Feuchte- und Trocknungsfragen sind andere Verfahren zuständig.

Faustregel: Die Sims sind genau genug, um Wirkungen ehrlich zu zeigen („thermische Trennung bringt was“, „der Maßbezug entscheidet das Vorzeichen“) – aber zu vereinfacht, um eine Zahl in eine Förderbilanz zu schreiben. Dafür gibt es den prüffähigen Nachweis mit validierter Software.

Validierung gegen Literatur und ein reales Protokoll

Der entscheidende Punkt: Trotz der Vereinfachungen landen die Sim-Werte in den Bereichen der Fachliteratur – und decken sich bei der Außenecke sogar mit einem realen ISO-10211-Berechnungsprotokoll aus der Praxis.

Detail (Sim-Schalter)Sim-Ψ in W/(mK)Literatur-/Praxis-Anker
Balkonplatte: ungetrennt → thermisch getrennt 0,70 → 0,15 0,5–0,8 → 0,15–0,25 (Praxis/Isokorb-Literatur)
Attika: ungedämmt → Dämmhaube 0,35 → 0,02 0,3–0,6 → 0,05–0,15 (Praxis)
Fensterlaibung: ohne → mit Überdämmung 0,11 → −0,04 0,1–0,2 → 0,00–0,05 (Praxis)
Außenwandecke (WDVS, Außenmaß) −0,06 reales ISO-10211-Protokoll −0,062; Literatur −0,05…−0,15
Innenwand an durchlaufendem WDVS ≈ 0,00 reales Protokoll (Geschossdecke) +0,004 – der Bagatellfall

Alle Sim-Werte sind reproduzierbar: In der Browser-Konsole liefern window.__detailSims.<id>.solve() bzw. window.__cockpit.solve() die gezeigten Zahlen synchron bis zur Konvergenz.

Ein ehrlicher Hinweis zur Attika

In der Tabelle sticht die Attika heraus: Die Sim rechnet die „Dämmhaube“-Variante mit Ψ ≈ 0,02 etwas günstiger, als die Praxisspanne (0,05–0,15) erwarten ließe. Das ist kein geschönter Wert, sondern die Folge der idealisierten Geometrie – die perfekt umlaufende Dämmung des Modells ist sauberer als die meisten realen Attiken. Genau solche Abweichungen sind der Grund, warum das echte Detail individuell gerechnet gehört: Das Lehrmodell zeigt die Richtung verlässlich, die exakte Zahl liefert erst der Nachweis.

Sie wollen die Methode in Aktion sehen? Der Wärmebrücken-Atlas rechnet sechs Details live; die Außenecke zeigt die Wirklängen-Falle mit live kippendem Vorzeichen.

Offene Methode, prüffähiges Ergebnis.

Wenn die Simulationen die Richtung zeigen, liefert der Nachweis die belastbare Zahl. Schicken Sie Ihre Pläne für eine Einschätzung, welche Nachweistiefe Ihr Projekt braucht.